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Der Wels hat Oberwasser

Kapitaler Wels

In der Schweiz war der Sommer 2026 der bisher heißeste, der je gemessen wurde und auch weite Teile Süddeutschlands ging es ähnlich. Wochenlange Hitzewellen verursachten Rekord-Niedrigwasser, Bäche und Flüsse trockneten aus. Dies hatte ein stilles Massensterben ausgelöst. Das verändert gerade, wo du als Angler welche Fische überhaupt noch findest und wer im Fluss künftig das Sagen hat. Die Antwort auf die zweite Frage fällt für einen Räuber besonders eindeutig aus: den Wels.

Stille Krise unter Wasser

Im Rekordsommer 2026 sind allein in der Schweiz schätzungsweise Millionen Fische verendet, weil so viele kleine und mittlere Bäche trockenfielen wie nie zuvor. Allein in der Emme unterhalb von Burgdorf starben hunderttausende Groppen und hunderte Forellen, weil ihnen über mehrere Kilometer schlicht das Wasser ausging. In großen Flüssen wie Rhein oder Aare war das Fischsterben dagegen kaum sichtbar, allerdings nicht, weil es dort besser lief, sondern weil die Bestände empfindlicher Arten durch frühere Hitzesommer bereits stark ausgedünnt waren und die Kadaver rasch von Reihern, Kormoranen und Füchsen gefressen wurden.

Auch hierzulande gehörte ein größeres Forellensterben im sächsischen Döbeln zu den auffälligsten Ereignisse der Saison, während bundesweit Millionen Fische, Amphibien und andere Wassertiere der Kombination aus Trockenheit und Hitze zum Opfer fielen. Dahinter steckt ein physiologischer Teufelskreis, den auch der Deutsche Angelfischerverband beschreibt. Mit steigender Temperatur sinkt der im Wasser gelöste Sauerstoff, während der Stoffwechsel der Fische und damit ihr Sauerstoffbedarf gleichzeitig steigt. Halten Hitze und Niedrigwasser länger an, sind die Folgen verheerend.

Nicht alle Arten trifft es gleich hart. Genau hier setzt eine mehrjährige Telemetriestudie der Eawag an, die Fische in Aare, Rhein und Reuss mit Sendern ausgestattet hat. Von den über 750 besenderten Fischen aus 13 Arten war fast jeder fünfte ein Wels, deutlich mehr als erwartet, während Forellen und Äschen in den Fängen auffällig selten blieben. Der größte nachgewiesene Wels lag bei 1,86 Metern und hatte sich an der Thurmündung in den Rhein eingerichtet, also genau an einer der Stellen, an denen sich durch Sauerstoffmangel geschwächten Fische sammelten.

Warum ausgerechnet der Wels profitiert

Während für Bachforelle, Äsche und Groppe bereits Wassertemperaturen von knapp über 20 Grad kritisch werden können, kommt der Wels auch mit 28 bis über 30 Grad problemlos zurecht. Damit verschiebt sich die Konkurrenzsituation im Gewässer fundamental zu seinen Gunsten. Er muss sich weder mit Hitze noch mit sinkendem Sauerstoffgehalt in dem Maß auseinandersetzen wie die klassischen Kaltwasserarten.

Der Wels ist ein opportunistischer Nachtjäger, der genau dort jagt, wo sich Beute konzentriert. In Hitzesommern konzentriert sich Beute zwangsläufig in den letzten kühlen Refugien, an Grundwasseraustritten, tiefen Kolken oder schattigen Flussabschnitten, in denen sich Forellen und Äschen zu Hunderten drängen. Was für die bedrohten Arten zusätzlichen Stress bedeutet, ist für den Wels praktisch ein gedeckter Tisch. Fischereiexperten aus dem Kanton Schaffhausen berichten, dass genau diese Dichtestress-Zonen inzwischen wie ein Servierteller für die Raubfische funktionieren. Wo früher ein einzelner Wels-Fang noch eine kleine Sensation war, gilt er heute in vielen Flusssystemen als etablierte, teils dominante Art.

Taktik am Wasser

Für deine Ansitze bedeutet das eine ziemlich klare Handlungsanweisung: Statt breitflächig zu suchen, lohnt sich gezielte Arbeit an den verbliebenen Kühlwasserzonen, Mündungen kleinerer, noch fließender Bäche, Grundwasseraustritten und tiefen Kolken unterhalb von Wehren. Genau dort stehen nachts die großen Fische, weil dort auch die Nahrung steht. Ein präzises Echolot hilft, solche Tiefwasserlöcher und Temperatursprungschichten schnell zu finden.

Beim Gerät selbst hat sich an den Grundprinzipien nichts geändert, nur die Trefferwahrscheinlichkeit an den richtigen Spots ist gestiegen. Eine kräftige Wallerrute mit ausreichend Rückgrat, eine robuste Baitrunner- oder Freilaufrolle mit hoher Schnurfassung sowie grobe geflochtene Hauptschnur versprechen den größten Erfolg. Bei der Köderwahl macht sich die aktuelle Situation direkt bemerkbar. Totköder-Montagen mit Fischfetzen oder ganzen Köderfischen punkten dort, wo sich hitzegeschwächte Beutefische sammeln. Wer aktiv fischen will, kommt mit kräftigen Gummifischen am Jigkopf oder größeren Wobblern im Drop-Shot- oder Vertikalsystem an den Rand solcher Refugien ebenfalls gut zum Zug. Für die Nachtangelei solltest du außerdem in zuverlässige Bissanzeiger investieren, da die besten Bissfenster in dieser Wetterlage klar in die kühleren Abend- und frühen Morgenstunden fallen.

Ein Wort zur Sicherheit gehört ebenfalls dazu: An bayerischen Badeseen wie dem Brombachsee sorgten im vergangenen Jahr mehrere Bissvorfälle von Welsen an Badegästen für Schlagzeilen, ausgelöst vermutlich durch Männchen, die während der Laichzeit ihre Nester in Ufernähe verteidigten. Für dich als Angler ist das vor allem beim Waten und beim Landen großer Tiere relevant, eine stabile Hakenlöse-Zange und eine ausreichend dimensionierte Abhakmatte sind bei den aktuell häufiger vorkommenden Großwelsen keine Kür, sondern Grundausstattung.

Verantwortung am Wasser

Die Botschaft des Herbstes 2026 ist damit zweigeteilt: Die akute Hitzenot in den Refugien ist vorüber, dafür rückt mit der Laichzeit von Bachforelle und Äsche ein neues, ebenso ernstes Schutzthema nach. Der Wels bleibt in dieser Übergangszeit dein interessantester Zielfisch, und in Gewässern mit nachweislich hoher Welsdichte und gleichzeitig bedrängten Bestandsfischen spricht durchaus einiges dafür, den Angeldruck auf ihn gezielt zu erhöhen, wie es Angler etwa am Edersee bereits fordern. Eine Pauschallösung ist das aber nicht. Ob mehr Entnahme dem Gewässer wirklich hilft, hängt von der lokalen Bestandssituation ab und die rechtlichen Leitplanken wie Mindestmaß und Entnahmepflicht gibt am Ende ohnehin dein Landesfischereigesetz vor. Nutze also das verbleibende Zeitfenster, solange die Wassertemperatur noch über 15 Grad liegt, für gezielte Ansitze, aber informiere dich vorher über die Bestandslage und die Regeln an deinem Gewässer. Wer beides im Blick behält, angelt in diesem Herbst nicht nur erfolgreicher, sondern auch ökologisch sinnvoll.

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