
Beim Flussbarsch gibt es am Bodensee mittlerweile eine ungewöhnlich detaillierte wissenschaftliche Überwachung. Die Internationale Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei (IBKF) dokumentiert nicht nur die jährlichen Fangerträge, sondern lässt auch Altersstruktur, Nahrung und Parasitenbefall der Bestände regelmäßig untersuchen.
Barschertrag 2025 deutlich gestiegen
Für das Fangjahr 2025 wurde am Bodensee-Obersee ein spürbarer Anstieg des Barsch-Ertrags in der Berufsfischerei dokumentiert: Nach aktuellen Auswertungen der IBKF-Fangstatistik entfielen rund 35 Tonnen und damit gut 30 Prozent des Gesamtfangs auf Barsche – ein deutliches Plus gegenüber dem Vorjahr, in dem Barsche noch gut 22 Prozent des Gesamtertrags ausmachten. Bemerkenswert ist das vor allem deshalb, weil der Gesamtfang der Berufsfischerei im gleichen Zeitraum insgesamt leicht rückläufig war, wie die automatische Auswertung der aktuellen IBKF-Fangstatistik zeigt: Der Gesamtfang der Berufsfischerei am Bodensee-Obersee lag im Fangjahr 2025 bei 115,7 Tonnen und damit 4,6 Prozent unter dem Vorjahr, während der Barschfang 35,2 Tonnen beziehungsweise 30,4 Prozent des Gesamtfangs ausmachte. Der Barsch legte damit sowohl absolut als auch relativ deutlich zu, während andere Arten wie die Felchen weiterhin unter strengen Schonmaßnahmen stehen. Neben dem Barsch- hat sich auch der Hechtbestand im Bodensee erholt.
Altersklassen der Barsche im Fokus
Dass der Ertrag steigt, ist für Fischereibiologen nur die halbe Geschichte. Am Bodensee wird der Barschbestand seit Jahren zusätzlich über eine feingliedrige Altersklassenüberwachung beobachtet. Bei Probefängen mit unterschiedlichen Maschenweiten werden die gefangenen Barsche systematisch nach Jahrgängen ausgewertet, wobei die Versuchsfänge in den feineren Maschenweiten meist aus zwei, in den gröberen Maschenweiten häufig aus zwei bis drei verschiedenen Jahrgängen bestehen. So lässt sich über das Jahr hinweg verfolgen, welche Jahrgänge gerade dominieren und wie sich das Wachstum einzelner Kohorten entwickelt.
Diese Auswertung erfolgt getrennt für die verschiedenen Uferabschnitte, sodass sich auch regionale Unterschiede in der Altersstruktur erkennen lassen. Ergänzt wird das Bild durch die sogenannte virtuelle Kohortenstärke, die zeigt, wie viele Fische ein Jahrgang ursprünglich umfasste. Die Werte liegen aktuell deutlich unter denen früherer Jahrzehnte. Die durchschnittliche virtuelle Kohortenstärke der Jahre mit bereits vollständig ausgefischten Jahrgängen lag zuletzt bei rund 0,63 Millionen Tieren und damit deutlich unter dem Niveau der 1970er- (3,06 Millionen), 1980er- (3,63 Millionen) und 1990er-Jahre (1,65 Millionen).
Der Hechtbandwurm als Dauerthema
Neben Wachstum und Alter gehört die Gesundheit der Bestände zu den beobachteten Aspekten. Besonders im Fokus steht dabei der Hechtbandwurm (Triaenophorus nodulosus), ein Parasit, der Barsche als Zwischenwirt nutzt. Seine Prävalenz – also der Anteil befallener Tiere – wird für mehrere Standorte rund um den See getrennt erhoben, etwa bei Romanshorn, Kreuzlingen, am österreichischen Ufer und im Untersee. Dabei zeigen sich teils deutliche Unterschiede zwischen den Regionen: Während die Befallsrate vor Romanshorn im langjährigen Mittel liegt, aber gegenüber dem Vorjahr angestiegen ist, blieb sie vor Kreuzlingen zwar ebenfalls im Anstieg, aber weiterhin unter dem langjährigen Durchschnitt. Am Untersee dagegen erreichte die Hechtbandwurm-Prävalenz mit rund 68 Prozent einen der bislang höchsten je gemessenen Werte.

Zusätzlich wird auch ein zweiter Parasit, der Kiemenwurm (Ancyrocephalus paradoxus), regelmäßig erfasst, der aber immer weniger auftritt. Ergänzend werden auch Beifänge wie Stichlinge oder invasive Kamberkrebse in den Versuchsnetzen dokumentiert, da ihre Entwicklung Rückschlüsse auf das gesamte Ökosystem des Sees zulässt.
Ein Trend über den Barsch hinaus
Die detaillierte Beobachtung von Alter, Wachstum, Jahrgangsstärke, Ernährung und Parasitenbefall beim Barsch steht exemplarisch für einen allgemeinen Wandel in der Fischereiwissenschaft. Es genügt längst nicht mehr, nur zu erfassen, wie viele Fische gefangen werden. Zunehmend interessiert, wie alt die Tiere sind, wie schnell sie wachsen, welche Jahrgänge sich erfolgreich durchsetzen, wovon sie sich ernähren und welchen Gesundheitsbelastungen sie ausgesetzt sind. Für den Bodensee liefert die jahrzehntelange, ufernah differenzierte Datenreihe der IBKF dafür eines der detailliertesten Beispiele im deutschsprachigen Raum.
Wie den Befall mit Hechtbandwurm erkennen?
Auch für Freizeitangler ist der Hechtbandwurm relevant, vor allem beim Ausnehmen des Fangs. Die Larven des Parasiten setzen sich typischerweise in der Leber des Barsches fest und sind dort als kleine, weißliche bis gelbliche Knötchen oder Zysten sichtbar, teils auch im umliegenden Bauchraum. Wer seinen Fang ausnimmt, sollte deshalb einen kurzen Blick auf die Leber werfen:
- Befallene Fische erkennen: Weißliche, knotige Einlagerungen in der Leber (manchmal auch am Darm oder in der Bauchhöhle) deuten auf einen Befall mit Hechtbandwurm-Larven hin. Ein einzelner kleiner Herd ist meist unbedenklich, bei stärkerem, flächigem Befall sollte man genauer hinsehen.
- Bei starkem Befall: Ist die Leber deutlich sichtbar von Zysten durchsetzt, empfiehlt es sich, den Fisch – sofern die örtlichen Vorschriften das zulassen – zurückzusetzen oder zumindest nicht zu verwerten. Für den Menschen besteht durch den Hechtbandwurm zwar keine direkte Infektionsgefahr, optisch und aus Gründen der Fleischqualität ist stark befallener Fisch aber meist wenig attraktiv.
- Hygienisch sauber arbeiten: Fisch grundsätzlich zügig und sauber ausnehmen, befallene Innereien nicht mit dem Filet in Kontakt bringen und Schneidebrett sowie Messer im Anschluss gründlich reinigen. Das gilt unabhängig vom Befall ohnehin als gute Praxis, minimiert bei Parasitenbefall aber zusätzlich das Risiko einer Kreuzkontamination.
Mehr Wissen über Bestände, mehr Verantwortung beim Angeln
Die immer feinere wissenschaftliche Beobachtung der Barschbestände hat auch eine Kehrseite: Sie macht deutlich, wie sensibel das Gleichgewicht aus Alter, Wachstum und Gesundheit der Fische tatsächlich ist und das wirkt sich auf die Erwartungen an Angler aus. Wo Behörden und Forschung nicht mehr nur zählen, sondern genau hinschauen, sollten auch Angler dem Beispiel folgen. Konkret bedeutet das:
- Mindestmaße und Schonzeiten sehr genau einhalten – gerade weil Altersklassen- und Kohortendaten zeigen, wie schnell einzelne Jahrgänge über- oder untervertreten sein können, wirkt sich jeder zu früh entnommene Fisch stärker aus, als es auf den ersten Blick scheint.
- Sorgfältiger Umgang mit untermaßigen und stark parasitierten Fischen. Beide gehören möglichst schonend zurückgesetzt beziehungsweise, bei starkem Parasitenbefall, nicht verwertet.
- Bereitschaft, Fangdaten zu melden, wo Vereine oder Behörden entsprechende Angebote bereitstellen, etwa über digitale Fangbücher wie die eFJ Mobile App am Bodensee. Solche Meldungen fließen direkt in die Bestands- und Alterserfassung ein und sind eine der wenigen Möglichkeiten, mit denen Freizeitangler aktiv zur wissenschaftlichen Datengrundlage beitragen können.
Wer diese Punkte beachtet, trägt aktiv dazu bei, dass eine so gut erforschte, aber weiterhin unter Druck stehende Fischart wie der Bodensee-Barsch auch künftig gesunde und stabile Bestände hervorbringt.
Schonzeiten und Mindestmaße Deutschland
Schonzeiten und Mindestmaße in Baden-Württemberg
Quellen:
- IBKF-Pressemitteilung 2025 zu Erträgen der Berufsfischerei – https://ibkf.org/wp-content/uploads/2025/06/IBKF-2025_Pressemitteilung.pdf
- Bottighofer Sportfischer Verein – Fangjahr 2025, Barschanteil am Gesamtfang – https://www.bottighofer-sportfischer.ch/fischer_news
- IBKF-Bericht zur IBKF 2022 (Barschbericht: Altersklassen, Mageninhalt, Hechtbandwurm- und Kiemenwurm-Prävalenz) – https://www.ibkf.org/wp-content/uploads/2022/06/IBKF-2022_Barschbericht.pdf
- IBKF-Jahresberichte zu Fischbeständen, Altersstrukturen und Jahrgangsstärken – https://www.ibkf.org/