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Gewässer-Sperrung nicht nur in den Alpen

Wer aktuell an seinem Stammgewässer angeln will, sollte vorher genau hinschauen. In weiten Teilen des Alpenraums haben Behörden, Fischereivereine und Pächter in den letzten Wochen befristete Angelverbote verhängt. Betroffen sind Gewässer in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol, teils mit sofortiger Wirkung und ohne festes Enddatum. Grund ist die Kombination aus anhaltender Hitze und extremem Niedrigwasser, die vor allem Bachforellen und Äschen an den Rand des Überlebens bringt. Für dich als Angler bedeutet das: Vor der nächsten Tour lohnt sich ein Blick auf die Sperrliste, sonst steht man womöglich mit Rute und Erlaubnisschein vor einer abgesperrten Strecke. Und selbst dort, wo noch geangelt werden darf, entscheidet dein Verhalten am Wasser gerade darüber, ob ein gefangener Fisch die Rückgabe überlebt.

Warum ausgerechnet diese Gewässer dicht sind

Nicht jedes Gewässer ist gleich empfindlich, deshalb lohnt der Blick auf die Details. Die Goiserer Traun in Oberösterreich zählt zu den bekanntesten Äschenrevieren des Landes und wurde deshalb bis auf Weiteres komplett für das Fliegenfischen gesperrt. Äschen reagieren auf Sauerstoffmangel besonders empfindlich, weil sie im Vergleich zu Bachforellen einen höheren Grundumsatz haben und sich zudem kaum in tiefere, kühlere Zonen zurückziehen können, da ihnen dafür an vielen Flussabschnitten schlicht die Strukturen fehlen.

In der Schweiz haben die Kantone an Birs und Thur sogar zum Mittel der behördlichen Notabfischung gegriffen, bevor das Wasser zu warm wird. Dabei werden Fische aus besonders kritischen, sich weiter erwärmenden Restwasserstrecken gezielt abgefischt und in kühlere Gewässerabschnitte umgesetzt, um Kiemenschäden und Kreislaufkollaps durch Sauerstoffmangel zu verhindern. An Aare und Rhein wiederum greifen ausgewiesene Schutzzonen an Kaltwassereinmündungen: Dort, wo kühlere Zuflüsse oder Grundwasseraustritte in den Hauptstrom münden, sammeln sich hitzegestresste Fische auf engstem Raum, weil es die einzigen thermischen Rückzugsorte im gesamten Flussabschnitt sind.

Genau diese neuralgischen Punkte werden ab Wassertemperaturen von etwa 23 Grad für die Fischerei gesperrt, weil dort schon ein einziger Drill mehrere aufgeschreckte Fische gleichzeitig unter Stress setzen kann.

Die Temperaturschwellen, die wirklich zählen

Für viele Angler ist Wassertemperatur bislang eher eine Nebeninfo gewesen, in diesem Sommer entscheidet sie aber direkt über Fangerfolg und Tierschutz. Physikalisch gilt: Je wärmer das Wasser, desto weniger Sauerstoff kann es lösen, während gleichzeitig der Stoffwechsel wechselwarmer Fische mit steigender Temperatur zunimmt und damit mehr Sauerstoff braucht. Diese Schere zwischen sinkendem Angebot und steigendem Bedarf ist der eigentliche Killer.

Bei Salmoniden wie Bachforelle und Äsche beginnt der Sauerstoffstress ab etwa 18 Grad, die Nahrungsaufnahme lässt spürbar nach. Zwischen 20 und 21 Grad wird die Belastung akut, das Risiko, dass ein Fisch nach dem Drill trotz vorsichtigem Zurücksetzen später doch verendet, steigt drastisch an. Diese verzögerte Mortalität ist tückisch, weil der Fisch zunächst munter davonschwimmt, dann aber an der im Muskelgewebe angesammelten Milchsäure und der Erschöpfung zugrunde geht.

Ab etwa 22 bis 25 Grad wird schließlich das obere letale Limit erreicht, ab dem Fische unabhängig vom Angeldruck sterben. Ein einfaches, aber zuverlässiges Wasserthermometer gehört deshalb in diesem Sommer eigentlich in jede Angeltasche, denn eine schnelle Messung vor dem ersten Wurf verrät dir, ob sich der Ausflug überhaupt lohnt oder ob du besser umkehrst.

Was du an offenen Gewässern jetzt anders machen solltest

Auch dort, wo noch keine Sperrung gilt, hat sich die Lage verschärft, und dein Verhalten am Wasser macht den Unterschied zwischen einem erfolgreichen Fang und einem toten Fisch. Sinnvoll ist es, die Fischerei auf die frühen Morgenstunden zwischen etwa fünf und neun Uhr zu verlegen, solange das Wasser noch die nächtliche Abkühlung in sich trägt.

Wer auf ein etwas stärkeres Vorfach wechselt, zum Beispiel 0,18 statt 0,14 Millimeter, verkürzt die Drillzeit spürbar und reduziert damit die Milchsäurebildung im Fischkörper deutlich. Widerhakenlose Haken sind bei diesen Bedingungen keine Kür mehr, sondern Pflicht, weil sie ein schnelles Lösen direkt im Wasser ermöglichen, ohne dass der Fisch überhaupt an Land oder in die Luft muss. Ein Kescher mit feinmaschigem, schonendem Netzmaterial hilft zusätzlich, die Handlingzeit kurz zu halten.

Wer strömungsliebende Arten wie Döbel, Rapfen oder Barbe befischt, ist ohnehin im Vorteil, denn diese Fische kommen mit warmem, sauerstoffreicherem Fließwasser an Wehren und Schwellen deutlich besser zurecht als reine Kaltwasserarten. Für alpine Höhenlagen über 1.800 Metern gilt: Stillgewässer dort sind durch ihre stabile thermische Schichtung oft eine unbedenkliche Alternative, wenn du auf Salmoniden nicht verzichten willst.

Ausweichmöglichkeiten für die nächste Angeltour

Statt komplett auf den nächsten Angeltag zu verzichten, lohnt sich der Blick auf robustere Gewässertypen und andere Zielfischarten. Tiefere Stauseen und größere Talsperren erwärmen sich deutlich langsamer als flache Bäche, weil ihr großes Wasservolumen die Temperaturspitzen abpuffert, und bieten in tieferen Schichten oft noch kühlere Zonen.

Größere, geführte Flüsse mit Wehren und Turbinenauslässen halten durch die Verwirbelung meist einen höheren Sauerstoffgehalt als ruhig fließende Bachabschnitte. Auch ein Wechsel der Zielfischart kann die Lösung sein: Wer sich von der reinen Forellen- und Äschenfischerei löst und stattdessen gezielt auf Karpfen, Schleie oder die eingangs erwähnten wärmeliebenden Weißfische wie Döbel und Rapfen umsteigt, findet aktuell deutlich entspanntere Bedingungen vor, ohne dass ein schlechtes Gewissen nötig wäre.

Vor jeder Fahrt lohnt sich zudem ein kurzer Anruf oder Blick auf die Website des zuständigen Vereins oder Pächters, denn viele Gewässer werden aktuell tagesaktuell freigegeben oder gesperrt, je nachdem, wie sich Pegel und Temperatur entwickeln.

Ein Sommer, der zum Muster wird

Diese Sperrungen sind kein einmaliger Ausreißer, sondern reihen sich in eine Entwicklung ein, die Angler in den letzten Jahren zunehmend zu spüren bekommen. Steigende Durchschnittstemperaturen und häufigere, länger andauernde Hitzeperioden treffen auf Flusssysteme, die durch Begradigung, fehlende Beschattung und reduzierte Wasserführung ohnehin schon unter Druck stehen.

Parallel zu den Fischereisperren erlassen in diesem Sommer auch immer mehr Landkreise in Deutschland allgemeine Wasserentnahmeverbote für Landwirtschaft und Gartenbewässerung, weil die Pegel in Grund- und Oberflächengewässern gleichermaßen sinken.

Für Kaltwasserarten wie Bachforelle und Äsche bedeutet das eine schleichende Verkleinerung ihres nutzbaren Lebensraums, weil die als Rückzugsort dienenden kühlen, sauerstoffreichen Abschnitte immer seltener und kleiner werden. Langfristig dürfte das die Diskussion um Renaturierung, Uferbeschattung durch Bepflanzung und den gezielten Schutz von Kaltwasserzuflüssen weiter befeuern, denn genau diese Strukturen entscheiden künftig darüber, ob ein Gewässer solche Sommer übersteht.

Wie es weitergeht

Eine echte Entspannung ist erst mit ergiebigem Regen und spürbar sinkenden Temperaturen zu erwarten, ein festes Datum dafür kann aktuell niemand nennen. Die meisten Sperrungen sind deshalb bewusst unbefristet formuliert und sollen erst aufgehoben werden, wenn sich Pegel und Wassertemperatur nachhaltig normalisiert haben.

Bis dahin gilt: Informiere dich vor jeder Tour aktuell bei deinem Verein oder Pächter, nimm ein Thermometer mit und sei bereit, auch spontan auf ein anderes Gewässer oder eine andere Zielfischart umzusteigen. Wer sich jetzt schon mit widerhakenlosen Haken, einem schonenden Kescher und einem verlässlichen Thermometer ausrüstet, ist nicht nur für diesen Sommer, sondern auch für die kommenden Hitzejahre besser vorbereitet.

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