
Der Deutsche Angelfischerverband (DAFV) hat zusammen mit dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) und der Gesellschaft für Ichthyologie (GfI) die drei Nominierten für den „Fisch des Jahres 2027“ bekannt gegeben! Bis zum 1. September läuft die öffentliche Online-Abstimmung. Wir zeigen euch, welche drei völlig unterschiedlichen Kandidaten im Rennen sind, warum sie vorgeschlagen wurden und wie ihr eure Stimme abgeben könnt.
Eine Stimme für die Stummen
Seit 1984 wird in Deutschland der „Fisch des Jahres“ gekürt. Was oberflächlich wie ein reiner Sympathiewettbewerb wirkt, steht im Dienste des Tierschutzes. Fische leben im Verborgenen. Sie werden im Gegensatz zu Vögeln oder Säugetieren von der Gesellschaft eher übersehen, weshalb ihre Situation oft untergeht.
Die primäre Aufgabe der Wahl ist es, das Umweltbewusstsein der Öffentlichkeit auf die oft kritischen Zustände unserer heimischen Gewässer zu lenken. Die Kooperationspartner nutzen die Vorstellung der Nominierten, um auf wichtige Bereiche aufmerksam zu machen:
- Verlust der Gewässerdurchgängigkeit: Unüberwindbare Wehre und Wasserkraftwerke versperren Wanderfischen die Wege.
- Zerstörung von Mikro-Lebensräumen: Die Begradigung von Flüssen und das Trockenlegen von Kleingewässern entzieht vielen Arten die Existenzgrundlage.
- Erfolgreicher Naturschutz: Die Wahl zeigt auch, wie wichtig die Arbeit von Anglern vor Ort ist, die durch Artenhilfsprogramme Bestände retten.
Die Kandidaten für den Fisch des Jahres 2027
Der Nordseeschnäpe als erfolgreicher Rückkehrer
Der Nordseeschnäpel (Coregonus oxyrinchus) gehört zu den lachsartigen Wanderfischen (Salmoniden). Er verbringt sein erwachsenes Leben im küstennahen Salzwasser der Nordsee und steigt im Spätherbst in die Flüsse auf, um im Süßwasser zu laichen.
- Grund für die Nominierung: Der Nordseeschnäpel galt in Deutschland bereits als vollständig ausgestorben. Dass es ihn heute wieder gibt, ist ein echtes Naturschutz-Wunder, das maßgeblich auf aufwendige Bruthausaufzuchten und Besatzmaßnahmen von Anglern und Wissenschaftlern zurückzuführen ist. In Flüssen wie der Elbe oder der Treene gibt es wieder erste selbsterhaltende Bestände. Seine Nominierung soll zeigen: Artenschutz funktioniert, wenn alle an einem Strang ziehen! Gleichzeitig bleibt er ein Sorgenkind, da er für seine Wanderung Barrierefreiheit in den Flüssen benötigt.
Das Flussneunauge als lebendes Fossil
Biologisch gesehen ist das Flussneunauge (Lampetra fluviatilis) gar kein echter Knochenfisch, sondern gehört zu den kieferlosen Rundmäulern. Diese faszinierenden Lebewesen besiedeln unsere Erde seit über 400 Millionen Jahren fast unverändert – sie haben die Dinosaurier kommen und gehen sehen. Ihre Larven leben jahrelang blind im Sand vergraben, bevor sie sich verwandeln, ins Meer wandern und später zum Laichen ins Süßwasser zurückkehren.
- Grund für die Nominierung: Auf der europäischen Roten Liste wird das Flussneunauge als potenziell gefährdet eingestuft. Es ist extrem empfindlich gegenüber Umweltveränderungen. Es benötigt absolut saubere, kiesig-sandige Sedimente für seine Larven und völlig frei fließende Flüsse für seine Wanderung. Querbauwerke und die Verschlammung der Flussbetten durch intensiven Nährstoffeintrag zerstören seine Lebensgrundlage. Das Flussneunauge ist der perfekte Botschafter für den Schutz naturnaher Flusssysteme.
Die Karausche als bedrohte Überlebenskünstlerin
Die Karausche (Carassius carassius), auch als „Moorkarpfen“ bekannt, ist ein absolutes Stehaufmännchen. Sie kann in krautreichen Tümpeln, Gräben und Altwassern überleben, die im Winter fast komplett durchfrieren oder im Sommer extremen Sauerstoffmangel aufweisen. Um bei akutem Sauerstoffmangel nicht zu ersticken, kann sie ihren Stoffwechsel wochenlang auf eine Art „Alkoholbasis“ umstellen – eine biologische Meisterleistung.
- Grund für die Nominierung: Trotz ihrer legendären Zähigkeit schrumpfen die Karauschenbestände in Deutschland dramatisch. Der Grund ist der schleichende Verlust ihres Lebensraums: Kleingewässer verlanden oder werden zugeschüttet, Moore entwässert und Flussauen vom Hauptstrom abgeschnitten. Zudem wird sie oft durch den vom Menschen verschleppten Giebel verdrängt. Ihre Nominierung soll darauf aufmerksam machen, dass auch scheinbar unauffällige „Alltagsfische“ unseren Schutz und den Erhalt von Still- und Auengewässern brauchen.
Wir haben die Wahl
Als Angler sind wir nicht nur Nutzer der Natur, sondern kümmern uns auch um die Dinge unter der Oberfläche. Jede dieser drei Arten erzählt eine wichtige Geschichte über den Zustand unserer Heimatgewässer.
Die Abstimmung läuft auf der Website des DAFV noch bis zum 1. September. Nutzt eure Stimme und setzt ein Zeichen für den Gewässerschutz! Im November wird dann feierlich verkündet, wer Sieger der Herzen für das Jahr 2027 ist.