
Ellwangen hat nicht nur etwas für Kulturliebhaber zu bieten. Zwar ziehen die Basilika St. Vitus und die historische Altstadt jedes Jahr Tausende Besucher an, doch nur wenige Gehminuten weiter wartet ein ganz anderes Highlight: die Jagst. 2026 steht die Stadt ohnehin im Rampenlicht, denn bis zum 4. Oktober läuft dort die Landesgartenschau, und ausgerechnet der Fluss spielt dabei die Hauptrolle. Er wurde mitten im letzten Jahrhundert in ein starres Betonkorsett gezwängt und ist im Bereich des Auenparks jetzt aufwendig renaturiert worden, mäandriert wieder wie früher.
Ausgerechnet dieser besonders schöne Abschnitt lässt sich während der Schau allerdings nicht befischen, das LGS-Gelände ist für die Angelei tabu. Der Blick lohnt sich trotzdem, denn drumherum, an den übrigen Strecken von Jagst und Seenplatte, ist richtig was los. Für Städteplaner ist das ein Naherholungsprojekt, für dich als Angler ist es vor allem eins: ein Grund, mal genauer hinzuschauen, was in Jagst und Seenplatte tatsächlich schwimmt. Die örtlichen Vereine berichten von einer erstaunlich guten Wasserqualität und einer Artenvielfalt, die selbst erfahrene Fließgewässerangler überrascht.
Die Jagst – Ein Fluss mit viel Charakter
Der Anglerverein Ellwangen (AVE) bewirtschaftet den Jagstabschnitt von Schrezheim bis Randenweiler, weitere Vereine der Region kümmern sich gemeinsam um insgesamt rund 16 Kilometer Flussstrecke zwischen Bucher Stausee und Jagstzell. Wer hier ansitzt, bekommt es mit einem für ein Mittelgebirgsfluss ungewöhnlich breiten Artenspektrum zu tun: Forelle, Rotauge, Rotfeder, Döbel und Aal auf der einen, Hecht, Zander, Waller und Karpfen auf der anderen Seite. Genau diese Mischung aus Friedfisch- und Raubfischrevier ist es, die viele Mitglieder überhaupt erst an die Jagst zieht – auch Angler anderer Vereine kommen gezielt hierher, wenn sie mal ein Fließgewässer statt eines Sees befischen wollen.
Interessant ist ein Detail, das viele unterschätzen: Auf Höhe des Rewe-Markts in Ellwangen sorgt eine Staustufe dafür, dass selbst in Trockenperioden genug Wasser für kapitale Waller und Hechte steht. Der Grund liegt in der Gewässermorphologie. Staustufen erzeugen unterhalb des Wehrs Kolke, also tiefe, ausgespülte Rinnen mit relativ konstanter Wassertemperatur und stabilerem Sauerstoffgehalt als die flacheren Abschnitte davor und danach. Bei Niedrigwasser ziehen sich Raubfische genau in solche Zonen zurück, weil dort Beutefisch, Deckung und Sauerstoff zusammenkommen. Für dich heißt das, bei sommerlicher Trockenheit lohnt sich der gezielte Ansatz an Staustufen mehr als das Abfischen der Gleitstrecken. Für den Waller-Ansitz an diesen tieferen Rinnen brauchst du entsprechend grobes Gerät. Schau dir dazu unsere Kategorie Wallerausrüstung an. Für Hecht und Zander an den Kolken eignen sich kräftige Spinnruten mit Gummifischen oder tief laufenden Wobblern aus dem Bereich Raubfischköder.
Die Ellwanger Seenplatte: Stillwasser für jeden Anspruch
Wer nicht am Fluss, sondern lieber am See sitzt, hat rund um Ellwangen die Qual der Wahl. Der Sportfischerverein Ellwangen (SFE) bewirtschaftet mit Häsle-Stausee, Sonnenbachstausee und Kressbachsee gleich drei ehemalige Hochwasser-Rückhaltebecken. Das ist kein Zufall. Solche Becken haben oft noch das ursprüngliche Bachbett als tiefere Rinne im Gewässergrund, umgeben von deutlich flacheren Plateauflächen – eine Struktur, die sich mit einem Fischfinder hervorragend aufspüren lässt und auf der Raubfische wie Hecht und Zander bevorzugt patrouillieren. Am Häsle-Stausee sind zusätzlich Karpfen und Schleien gemeldet, am Kressbachsee ist wegen des markierten Badebereichs Vorsicht geboten. Innerhalb der Bojenkette ist das Angeln tabu.
Weitere Gewässer der Region ergänzen das Bild. Der Glassägweiher unweit der Ellwanger Innenstadt führt Hecht, Zander, Schleie und Weißfisch, der Götzenbachstausee bei Göggingen ist eher ein Barsch– und Hechtgewässer mit Weißfischbestand. Für die Stillwasser-Saison lohnt sich ein Blick in unsere Kategorien Karpfenausrüstung mit Method-Feeder-Systemen und Boilies sowie Bissanzeiger, wenn du auf Distanz und über Nacht ansitzen willst. Für den Uferansitz auf Barsch und Zander an den kleineren Seen reichen oft leichte Spinncombos aus dem Bereich Spinnruten völlig aus.
Warum die Wasserqualität gerade jetzt so gut ist und was das für dich bedeutet
Im Rahmen des „Grünen Klassenzimmers“ der Landesgartenschau wurde die Jagst im Ellwanger Stadtgebiet auf ihre Wassergüte hin untersucht, mit einem Ergebnis, das selbst Vereinsvertreter überrascht hat. Die Wasserqualität ist deutlich besser als erwartet. Das ist keine Randnotiz, sondern für dich als Angler direkt relevant, denn sauberes, sauerstoffreiches Wasser beeinflusst Fraßverhalten und Standplatzwahl unmittelbar. Kieslaicher wie Forelle und Döbel brauchen für eine erfolgreiche Fortpflanzung durchströmte, feinsedimentfreie Kiesbetten. Genau solche Strukturen entstehen durch die Renaturierung im Auenpark, wo die Jagst wieder in natürlichen Mäandern fließt statt in einem begradigten Kanal. Langfristig kann das den Bestand an rheophilen, also strömungsliebenden Arten spürbar stärken.
Die Vereine selbst tragen aktiv dazu bei. Sie pflegen Uferbereiche, kontrollieren regelmäßig die Wasserqualität, unterstützen Renaturierungsmaßnahmen, bekämpfen invasive Arten und setzen bei Bedarf schonend Aale ein – ein Beitrag, der offiziell sogar auf das UN-Nachhaltigkeitsziel 14 (Leben unter Wasser) einzahlt. Für die Praxis heißt das: In klarem, gut durchströmtem Wasser wirst du an der Jagst öfter Sichtangeln auf Döbel oder Forelle betreiben können als in trüberen Gewässern. Eine gute Polarisationsbrille aus unserem Sortiment ist hier fast schon Pflichtausrüstung, um Standplätze und Fluchtreaktionen der Fische überhaupt erkennen zu können.
Praktisches für Gastangler: Wer darf wo angeln?
Insgesamt sind im Umkreis von Ellwangen acht Angelvereine und rund elf Gewässer aktiv gemeldet, aufgeteilt in vier Fließgewässer und sieben Stillgewässer. Nicht überall sind Gastkarten erhältlich. Am Häsle-Stausee etwa werden Erlaubnisscheine für Gäste ausgegeben, an anderen Gewässern der Region ist die Angelkarte den Vereinsmitgliedern vorbehalten. Für den AVE-Abschnitt der Jagst bekommst du Tageskarten an nahegelegenen Ausgabestellen. Ein kleines Stück Jagst, das eigentlich dem SFE gehört, liegt mitten im Landesgartenschau-Gelände und ist deshalb bis zum Ende der Schau im Oktober nicht befischbar.
Ein Tipp, bevor du lospaddelst oder loswatest: Neben den Schonzeiten und Mindestmaßen in Baden-Württemberg legen viele Vereine eigene, strengere Regeln fest. Diese Gewässerordnungen solltest du dir vor dem ersten Ansitz genau durchlesen, sie liegen meist bei der Ausgabestelle der Tageskarte aus. Ganz unabhängig vom Gewässer gilt, eine ordentliche Abhakmatte und ein ausreichend großer Unterfangkescher gehören an Jagst und Seenplatte zur Grundausstattung, schon allein, weil hier auch größere Waller und Karpfen keine Seltenheit sind.