
In Thüringen häufen sich die Klagen von Angelvereinen: Immer öfter treffen die Aufseher am Wasser auf Menschen mit Rute, aber ohne Erlaubnisschein. Anzeigen werden zwar geschrieben, doch landen nur wenige vor Gericht – und von den ohnehin seltenen Anklagen kommt es im Schnitt gerade einmal zu sieben Verurteilungen pro Jahr. Selbst diese enden meist mit Geldstrafen, die kaum jemand abschrecken dürften. Für dich als Angler bedeutet das: Schwarzangler riskieren wenig, Vereine und Bestände zahlen den Preis.
Thüringen im Fokus
Besonders aus Thüringen kommen derzeit Nachrichten, die viele engagierte Angler nerven. Von den tausenden Schwarzanglern werden nur wenige erwischt und noch seltener angeklagt. Nach Angaben des Landesanglerverbandes werden die meisten Verfahren dann auch noch eingestellt. In den letzten drei Jahren gab es im Schnitt in Thüringen gerade einmal sieben Verurteilungen jährlich. Die Staatsanwaltschaften stellen nämlich viele Verfahren ein, wenn der „Schaden“ unter 25 Euro bleibt.
Rechtsprechung mit zu viel Nachsicht?
Das deutsche Strafgesetzbuch kennt den Paragrafen 293 StGB: Fischwilderei kann demnach mit bis zu zwei Jahren Haft oder Geldstrafe geahndet werden. In der Praxis passiert aber oft wenig. Fragwürdig ist die Bemessungsgrundlage. Der Wert eines Fisches wird an der Fischtheke im Supermarkt ermittelt. Sein Wert für den Bestand und den Lebensraum, die Arbeit der Ehrenamtlichen für Pflege und Hege kommen nicht in Betracht. Da ist ein Umdenken gefordert.
Wenn der Schaden spürbar wird
Wer meint, dass es beim Wildern nur um ein paar Fische geht, übersieht die Realität in vielen Vereinen. In Bad Kissingen etwa klagten Sportangler jüngst über massive Schäden am See in Windheim. In Niedersachsen häuften sich Fälle, bei denen Wilderer mit Reusen und Netzen gezielt auf Zander und Aale gingen – mit Verlusten, die nicht nur Bestände gefährden, sondern auch andere Tiere wie Wasservögel in den illegalen Geräten töten. Und in der Region Münden verschwanden hunderte Forellen aus Teichen, so dass Züchter in ihrer Existenz bedroht waren. Das sind keine Bagatellen, sondern massive Eingriffe in die Arbeit von Anglern und Fischereibetrieben.
Warum die Lage so angespannt ist
Angelvereine sind keine Gegner von Natur- oder Tierschutz – im Gegenteil. Wir entnehmen zwar Fische, aber nur nach klaren Regeln. Gleichzeitig pflegen wir Gewässer, setzen Besatzfische ein, schaffen Laichplätze und investieren viel Zeit in Hege. Doch die Rahmenbedingungen werden immer schwieriger: Hitzesommer und Niedrigwasser, Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft, wandernde Kormoranbestände – all das setzt den Beständen ohnehin zu. In solch einer angespannten Situation kann schon eine Handvoll Wilderer den entscheidenden Ausschlag geben und das Gleichgewicht kippen lassen.
Was wir Angler tun können
Klar ist: Die Politik und Justiz müssen Fischwilderei ernster nehmen. Aber genauso wichtig ist, dass wir Angler selbst Verantwortung übernehmen. Mitgliedschaft im Verein ist nicht nur ein Stück Heimat am Wasser, sondern auch Engagement für die Zukunft unserer Fischbestände. Wer kontrolliert, Verstöße meldet und damit Präsenz zeigt, sendet ein klares Signal: Wildern lohnt sich nicht. Und je mehr von uns sich aktiv einbringen, desto schwerer wird es für Schwarzangler, unbemerkt ans Wasser zu gehen.
Wer legal am Wasser unterwegs ist, sollte auch zeigen, dass er es ernst meint. Gute Keschersysteme, maßgeschneiderte Forellen– oder Karpfenruten und sauberes Zubehör helfen nicht nur beim Fischen, sondern beweisen auch Respekt vor dem, was wir so sehr lieben. Am Ende profitieren wir alle davon, wenn klar wird: Angeln ist Leidenschaft, aber nur mit Recht und Verantwortung bleibt sie auch in Zukunft möglich.