
In den kalten Wintermonaten, wenn die meisten Fische ihre Aktivität deutlich reduzieren, beginnt für einen ganz besonderen Fisch die spannendste Zeit des Jahres. Die Quappe, auch Rutte oder Trüsche genannt, wird jetzt richtig munter. Als einziger Vertreter der Dorschfamilie im Süßwasser fasziniert mich dieser Fisch seit Jahren, besonders weil er so anders tickt als seine Verwandten.
Ein faszinierender Urzeit-Fisch
Die Quappe gehört zu den urtümlichsten Knochenfischen unserer Gewässer. Mit ihrer schlangenartigen Gestalt und der charakteristischen Barteln am Kinn erinnert sie stark an einen Wels, stammt aber aus einer völlig anderen Familie. Ihr marmoriertes Schuppenkleid und die typische, lang ausgezogene Rückenflosse machen sie unverwechselbar. Beeindruckend ist auch ihre Größe – in optimalen Gewässern können sie durchaus 70-80 cm erreichen, wobei die meisten gefangenen Exemplare zwischen 35 und 50 cm liegen. Beim Anblick dieser prähistorisch anmutenden Geschöpfe kann ich mich immer wieder daran erinnern, wie ich bei meiner ersten Quappe völlig perplex am Ufer stand – so anders sah sie aus als alles, was ich bis dahin gefangen hatte.
Der perfekte Lebensraum
Im Lebensraum stellt die Quappe ganz spezielle Ansprüche. Sie bevorzugt sauerstoffreiche, kühle Gewässer mit kiesigem oder steinigem Grund. Besonders in größeren Flüssen und tiefen Voralpenseen fühlt sie sich wohl. Tagsüber versteckt sie sich gerne zwischen Steinen oder in Kolken, wobei sie Wassertiefen zwischen 2 und 15 Metern bevorzugt. Hier kommt ihr der schlanke Körperbau zugute. Ein wichtiges Detail für Angler: Quappen orientieren sich stark an Strukturen am Gewässergrund und folgen oft den natürlichen Rinnen und Vertiefungen.
Bestandsentwicklung
Die Verbreitung der Quappe hat in den letzten Jahrzehnten leider stark abgenommen. Die Verbauung der Flüsse, die Zerstörung von Laichplätzen und die Erwärmung der Gewässer durch den Klimawandel setzen ihr zu. Beim nächtlichen Angeln im Winter denke ich oft darüber nach, wie wichtig es ist, solche einzigartigen Arten zu erhalten. In vielen Regionen gilt sie mittlerweile als gefährdet. Die gute Nachricht ist, dass gezielte Besatzmaßnahmen und Renaturierungsprojekte bereits erste Erfolge zeigen. In einigen Gewässern haben sich die Bestände stabilisiert.
Winterlichen Lebensweise
Eine faszinierende Besonderheit der Quappe ist ihre winterliche Aktivitätsphase. Während andere Fische bei kaltem Wasser kaum fressen, läuft sie zur Hochform auf. Ab Temperaturen unter 10 Grad wird sie richtig aktiv, optimal sind 4-8 Grad. Die höchste Aktivität zeigen sie in der Nacht, besonders zwischen 22 Uhr und 2 Uhr morgens. Die Laichzeit fällt in die kältesten Monate des Jahres, meist zwischen Dezember und Februar. Dabei können die Weibchen erstaunliche Mengen an Eiern produzieren – bis zu einer Million Stück. Ein interessantes Detail: Quappen unternehmen oft weite Wanderungen zu ihren Laichplätzen, wobei sie sich an der Strömung orientieren.
Erfolgreiche Angelmethoden
Für den Fang eignen sich die Dämmerung und die Nachtstunden am besten. Eine effektive Methode ist die Grundmontage mit Futterkorb, gefüllt mit zerkleinerten Köderfischen oder Fischstücken. Als Köder haben sich Köderfische wie Gründlinge oder Rotaugen bewährt, aber auch Tauwürmer fangen gut. Der Köder sollte direkt am Grund angeboten werden. Ein Tipp aus der Praxis: Montiere den Köder etwa 10-15 cm über Grund, da Quappen ihre Beute von unten attackieren.
Die Platzwahl ist entscheidend – tiefe Gumpen, Buhnenfelder oder die Einmündungen von Nebenbächen sind besonders erfolgversprechend. Auch Hafeneinfahrten und Brückenpfeiler sind interessante Spots. Beim Spinnfischen haben sich Gummifische zwischen 8 und 12 cm in gedeckten Farben bewährt, die sehr langsam über den Grund geführt werden. Beim Nachtangeln auf Quappen genieße ich besonders die winterliche Stille am Wasser, wenn der Atem in der kalten Luft kondensiert und nur das leise Plätschern des Wassers zu hören ist.