
Ende Juli entdeckten private Skipper in der Nähe des Blankeneser Unterfeuers einen toten Stör. Das etwa 175 cm lange Tier konnte wegen seines Gewichts nicht geborgen werden. Es zeigte keine sichtbaren Verletzungen und der Verwesungsprozess war noch nicht weit fortgeschritten. Aufgrund des Bildmaterials lässt sich das Exemplar vermutlich als Europäischer Stör (Acipenser sturio) oder Atlantischer Stör (Acipenser oxyrinchus) identifizieren.
Der Stör hat einen langgezogenen, „haiförmigen“ Körper, eine weit zurückgesetzte Rückenflosse und eine ungleiche Schwanzflosse. Sein unbeschuppter Körper ist mit fünf Reihen Schildplatten besetzt. Einst war der Stör in der Elbe weit verbreitet, doch Fischerei, der Verlust von Laichplätzen und die Regulierung der Wasserwege haben seine Bestände fast ausgerottet. Seit 2010 laufen jedoch Wiederansiedlungsprojekte in der Nordsee und den angrenzenden Flüssen. Der Fundort des toten Störs deutet darauf hin, dass das Tier an akutem Sauerstoffmangel starb, da der Sauerstoffgehalt in der Elbe bei Blankenese derzeit unter 2 mg/l liegt – weit unter dem für Fische kritischen Wert von 4 mg/l.
Wiedereinbürgerungsprogramm
Seit 25 Jahren wird in Deutschland ein Wiedereinbürgerungsprogramm für den Atlantischen Stör durchgeführt, geleitet von Jörn Gessner vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB). Die letzte nachgewiesene Vermehrung in Deutschland fand 1964 statt. Störe brauchen mindestens zwölf Jahre, um geschlechtsreif zu werden. In den ersten zwei Lebensjahren liegt die Sterblichkeit bei 90 Prozent, danach sinkt sie auf zwei bis fünf Prozent pro Jahr. Aus dem Programm könnten heute etwa 500 bis 1000 ältere Fische überlebt haben, von denen viele noch nicht geschlechtsreif sind.
Sind die Elbe und ihre Nebenflüsse heute wieder lebenswert für den Stör?
Die größten Herausforderungen für die Zukunft der Störe sind Fischerei, schlechte Durchwanderbarkeit und Flussausbau. Trotz Bemühungen sterben Störe oft als Beifang. Wehre und Stauhaltungen behindern ihre Wanderungen, und der Flussausbau, z. B. zur Vertiefung der Fahrrinnen, schadet ihren Lebensräumen. Zwar sind Sedimente noch belastet, doch für Störe ist vor allem die Sauberkeit des Fließwassers und das Vorhandensein von Kiesbänken wichtig.
Ausbaupläne bedrohen den Lebensraum
Der geplante Ausbau der Elbe, um eine Mindesttauchtiefe von 1,40 Metern über das ganze Jahr hinweg zu gewährleisten, wird erhebliche negative Auswirkungen auf das Ökosystem haben. Die Maßnahmen könnten den Grundwasserspiegel senken, Flussauen austrocknen und Nebengewässer isolieren, was die Lebensräume der Störe und anderer Organismen stark beeinträchtigen würde. Bereits der bisherige Ausbau der Unterelbe hat die Gefahr von Kollisionen zwischen Stören und Schiffen erhöht und erfordert ständige Unterhaltungsbaggerungen, die Fische und andere Organismen beeinträchtigen.