
Er ist der vielleicht rätselhafteste Fisch in deutschen Gewässern: Der Europäische Aal durchquert tausende Kilometer offenen Ozeans, verborgen vor unseren Augen, um irgendwo tief im Sargassomeer zu laichen – und kehrt womöglich nie wieder. Aal angeln bedeutet deshalb mehr als das Warten auf einen Biss in einer lauen Sommernacht. Es bedeutet, Teil einer Geschichte zu sein, die gerade auf dem Spiel steht.
Steckbrief – Europäischer Aal
| Merkmal | Information |
| Wissenschaftlicher Name | Anguilla anguilla (Linnaeus, 1758) |
| Familie | Anguillidae (Echte Aale) |
| Max. Länge / Gewicht | Weibchen bis 150 cm / bis 6 kg; Männchen bis 50 cm |
| Lebenserwartung | Weibchen bis 20 Jahre; Männchen bis 10 Jahre |
| Verbreitung DE | Nahezu alle Flusssysteme; rückläufig in Binnen- und Küstengewässern |
| Rote-Liste-Status (BfN) | Kategorie 1 – Vom Aussterben bedroht (Rote Liste 2020) |
| IUCN-Status | Critically Endangered (CR) – Rote Liste 2014 |
Schonzeiten und Mindestmaße:
Alle Regelungen nach Bundesland auf Angelplatz.de
Der Europäische Aal (Anguilla anguilla) ist die einzige in Europa heimische Art der Familie der Anguillidae. Er ist ein katadroher Wanderfisch: Er wächst in Süß- und Brackwasser auf, zieht aber zum Laichen ins Meer. Dazu zieht es ihn in die Sargassosee im westlichen Atlantik, rund 6.000 Kilometer entfernt. Winzige Larven (Leptocephali) treiben nach dem Laichen mit dem Golfstrom nach Europa, verwandeln sich zu Glasaalen und wandern die Flüsse hoch. Diese Metamorphose ist in der Tierwelt einmalig.
Die Faszination beim Aal
Der Aal hat Menschen schon immer fasziniert und so seinen Platz in vielen Mythen gefunden. In der germanischen Überlieferung galt er als Schlange der Tiefe, Aristoteles glaubte, er entstehe spontan aus Flussschlamm und im Mittelalter gab es die Vorstellung, er würde aus verwesendem Fleisch anderer Tiere hervorgehen. Heute ist das zwar richtiggestellt, aber einiges weiterhin geheimnisvoll. Der Laichvorgang im Sargassomeer wurde nie direkt beobachtet, kein Mensch hat je einen laichreifen Europäischen Aal im Ozean gesehen, so dass die exakte Lage der Laichgründe im Dunkeln bleibt.
Reizvoll für Angler ist bei Aalen, dass sie dämmerungs- und nachtaktiv sind. Wir müssen in die Dunkelheit eintauchen, wo unsere Augen nicht mehr viel nutzen, dafür aber alle anderen Sinne geschärft werden. Um zwei Uhr morgens dann das erste Rucken und Zupfen. Ganz vorsichtig, fast nervös. Dann wird die Schnur langsam von der Rolle gezogen und – zack – sitzt der Anschlag.
Aalangeln erfordert gute Ortskenntnis, Geduld und ein Gespür für Gewässerstruktur. Wer einen Platz mit Steinpackung, Baumwurzel oder tiefer Kante gefunden hat, an dem der Aal regelmäßig steht, hat die beste Aussicht auf eine spannende Nacht am Wasser.
Bestandsentwicklung
Die Datenlage ist eindeutig und beunruhigend. Die ICES-Arbeitsgruppe für den Aal (WGEEL) bewertet den Bestand des Europäischen Aals seit Jahren als außerhalb sicherer biologischer Grenzen. Im Vergleich zu den Höchstständen der späten 1970er-Jahre sind die Glasaaleinwände in europäische Flüsse dramatisch eingebrochen. (Quelle: ICES WGEEL Report 2024)
Besonders alarmierend: ICES empfiehlt für 2025 ausdrücklich null Fänge in allen Habitaten und für alle Lebensstadien. (Quelle: ICES Advice on European Eel 2024) Das Bundesamt für Naturschutz stuft den Europäischen Aal in der Roten Liste der Süßwasserfische Deutschlands als stark gefährdet ein. (Quelle: BfN Rote Listen) Auf globaler Ebene stuft die IUCN die Art als Critically Endangered (CR) ein. (Quelle: IUCN Red List – Anguilla anguilla)
Die Ursachen sind vielfältig und gut dokumentiert: Wasserkraftwerke und Stauanlagen blockieren die Aufwanderung der Glasaale und töten abwandernde Blankaale in den Turbinen. Entwässerung und Verbauung von Feuchtgebieten vernichten Lebensraum. Der aus Ostasien eingeschleppte Schwimmblasenparasit Anguillicola crassus schwächt die Tiere auf ihrer langen Wanderung. Hinzu kommen Überfischung, Klimawandel und Veränderungen ozeanischer Strömungssysteme.
Als Angler triffst du auf einen Fisch, dem es schlechter geht als fast jeder anderen Art in unseren Gewässern. Wenn man nicht auf das Aalangeln verzichten möchte, sollte man es möglichst schonend tun.
Entwicklung der Fangmenge des europäischen Aals
in 1.000 t
Was Du als Angler tun kannst
Angler sind keine Ursache des Aalproblems. Aber sie können aktiv Teil der Lösung sein – und das ist kein Marketing-Spruch, sondern gelebte Realität in vielen deutschen Angelgemeinschaften.
Catch & Release: So geht es richtig
Beim Aal ist C&R technisch anspruchsvoller als bei vielen anderen Arten, weil er Haken schnell tief schluckt. Eine aktuelle Feldstudie zeigt: Das einzige signifikante Mortalitätsmerkmal war das Auftreten von Blutungen durch Hakenverletzungen. Tiefes Schlucken war häufig, ließ sich aber durch größere Haken (J-Haken oder Kreishaken) deutlich reduzieren. (Quelle: Birnie-Gauvin et al. 2018, Fisheries Research)
Konkrete Empfehlungen:
- Schonhaken oder Haken ohne Widerhaken verwenden, was das Lösen erheblich erleichtert.
- Elektronische Bissanzeiger oder Knicklichter einsetzen, um den Biss sofort zu erkennen und ein tiefes Schlucken zu verhindern.
- Stabile Großfisch-Abhakmatte verwenden – der Aal ist extrem agil und verliert an Landflächen schnell Schleim.
- Nasse Hände oder nasse Handschuhe verwenden. Nie trocken anfassen.
- Gummierter Unterfangkescher schützt die Schleimhaut beim Landen.
Selektive Entnahme und Besatz
In vielen Bundesländern gibt es Aalbesatzprogramme, die durch Fischereiabgaben und Angelvereine finanziert werden. Diese Programme sind wissenschaftlich sinnvoll, weil sie die natürlich einbrechenden Glasaalbestände ergänzen. Wer seinen Jahresbeitrag zahlt und den lokalen Vorschriften folgt, unterstützt dieses System direkt.
Wo eine Entnahme legal und ökologisch vertretbar ist, gilt: Besser einen mittelgroßen Aal entnehmen als den größten. Ältere, große Weibchen sind die produktivsten Laichfische und auf dem langen Weg ins Sargassomeer am wertvollsten.
Aal angeln – Methoden & Ausrüstung
Beste Jahreszeit und Tageszeit
Die aktivsten Phasen liegen von Mai bis Oktober, mit einem Höhepunkt in warmen Sommernächten. Ab einer Wassertemperatur von etwa 12 °C beginnen Aale aktiv zu fressen; unter 8 °C werden sie zunehmend lethargisch. Die beste Angelzeit ist die Stunde nach Sonnenuntergang bis etwa Mitternacht – dann sind Aale am mobilsten auf Nahrungssuche. Bewölkte, warme Nächte ohne Mondlicht gelten unter erfahrenen Aalanglern als ideal.
Gewässerwahl und Struktur
Aale stehen in Deckung: Steinpackungen, Wurzelstöcke, versunkene Äste, tiefe Rinnen und Kanten in Bächen und Flüssen, aber auch Baggerseen und Kanäle mit strukturiertem Grund. Im Sommer ziehen sie flach, bei Kälte halten sie sich tiefer auf. Wer ein Gewässer tagsüber mit dem Echolot oder einfach durch Beobachtung erkundet, hat nachts einen entscheidenden Vorteil.
Bewährte Methoden
1. Grundangeln (Posenmontage oder bleifreie Grundmontage)
Die klassischste Methode. Ein einfaches Grundblei, ein kurzes Vorfach aus hochwertigem Fluorocarbon, wegen der Abriebfestigkeit an Steinen unverzichtbar, und ein Wurmhaken oder Schonhaken in Größe 4–6. Als Köder bewähren sich Tauwürmer, Regenwürmer und Fischfetzen. Die Rute wird auf einem Ständer abgelegt, der Bissanzeiger eingehängt.
2. Nachtangeln mit mehreren Ruten
Erfahrene Aalangler besetzen mehrere Positionen gleichzeitig im Rahmen des landesrechtlich Erlaubten. Elektronische Bissanzeiger sind hier keine Bequemlichkeit, sondern sinnvoll. Sie verhindern, dass ein Fisch den Haken tief schluckt, bevor du reagieren kannst.
3. Stippangeln an Brücken und Kanten
Mit kurzer Rute und schwerem Blei direkt unter Brücken oder Stegpfählen, also dort, wo die Strömung Nahrung sammelt und Aale lauern. Weniger romantisch, aber oft effektiver als das Auswerfen in die Ferne.
Beim Schlepptest wirfst du deinen Köder aus und spürst beim langsamen Einholen nach Widerstand. Wenn der auftritt und dann nachlässt, ist das oft kein Hänger, sondern ein Aal. Jetzt wird ruhig und gleichmäßig, statt ruckartig gezogen. Aale sind stark, drehen sich aber schnell um die Schnur. Eine gute Drillmechanik und Fluorocarbon-Vorfach entscheiden hier über Fisch oder Verlust.
Fazit – Gut angeln, Bestände schützen
Der Aal ist ein Tier am Limit, aber noch nicht verloren. Jeder Angler, der mit ihn bewusst schonend umgeht, ist ein aktiver Beitrag zum Erhalt dieser Art. Das ist kein Kompromiss. Das ist, was gutes Angeln immer war, eine Verbindung zur Natur, die auf Gegenseitigkeit beruht.
Quellen
- ICES WGEEL Report 2024 – Joint Working Group on Eels
- ICES Advice: European eel – zero catch recommendation 2024/2025
- BfN – Rote Listen der Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands
- IUCN Red List – Anguilla anguilla (Critically Endangered)
- Birnie-Gauvin et al. (2018): Post-release mortality of European eel – Fisheries Research (ScienceDirect)
- Angelplatz.de – Schonzeiten & Mindestmaße alle Bundesländer