Hechtgeflüster – zu Besuch bei Mr. Pike

Als mein Telefon klingelt und Andre Schmidt von Mr. Pike am anderen Ende ist, bin ich erst einmal erstaunt. „Hallo Toby, hast Du Lust auf Hecht?“ Kurze Pause. „Ja, unbedingt.“ „Gut, dann sehen wir uns morgen am Hafen!“ Ich freue mich, Andre zu treffen. „Köder stippen wir uns morgen am Hafen, Du kennst ja mein Motto – große Köder, große Hechte, also dann bis morgen!“ Was für ein Angebot, denn Andre Schmidt von Mr. Pike ist in Sachen Hechtangeln ein wahrer Experte, sozusagen einer, der mit den Hechten flüstert. Ich kann den morgigen Tag kaum erwarten.

Dann ist er da, der nächste Morgen. Wir treffen uns wie verabredet am Hafen, um dort als allererstes frische Köderfische, wie Rotaugen und Brassen in XXL-Größen, zu stippen. Diese Art von großen Ködern gibt es kaum irgendwo zu kaufen. Und schon fängt Andre an, mich in die Geheimnisse des erfolgreichen Hechtangelns einzuweihen:

Da wäre als allererstes die Platzwahl

„Vielen ist das Angeln mit totem Köderfisch bekannt. Mit einer Pose und einem toten Happen die Ufer nach einem Hecht abzulaufen, ist vielleicht die bekannteste Methode. Das Ansitzangeln auf den Esox erfordert ein anderes Vorgehen: Dabei wird der Köder an einem‚ taktischen Ort‘ angeboten. Jetzt wirst Du Dich fragen, was und wo ist ein solcher taktischer Ort?“, grinst Andre vielsagend. „Taktische Orte sind die besonderen Stellen im Gewässer, an denen Du den Hecht mit einer hohen Wahrscheinlichkeit erwarten kannst, wie zum Beispiel unter Brücken, oder unter Steganlagen, an abfallenden Kanten und in tieferen Löchern. Dabei musst Du berücksichtigen, dass Du nicht die Plätze außer Acht lässt, wo sich die Köderfische versammeln“, sagt Andre. Denn, so erfahre ich, wo der Stippangler Köderfische antrifft, ist auch der Hecht meist nicht weit.

Im Winter ziehen die Köderfische ganz gern in die Häfen, denn dort ist das Wasser meistens etwas wärmer. „Schau‘ mal bei einem Stippangler im Hafen vorbei, dann weißt Du, warum dies ein beliebter Jagdplatz für Hechte ist. Wenn Du jedoch nicht die Gelegenheit hast, im Hafen selbst zu angeln, gibt es auch die Möglichkeit, an Kanälen hervorragend Hechte zu fangen. Auch wenn kein Hafen in der Nähe ist. Suche nach den bereits genannten Strukturen, und die Chance auf einen hungrigen Räuber ist groß!“

Jetzt erzählt Andre mir von seinen Montagen. Und ich versuche all sein Fachwissen wie ein Küchentuch aufzusaugen.

Die Montage

„Beim Ansitzangeln unterscheiden wir zwei Hauptmethoden. Wir haben das Angeln mit dem Schwimmer und das Angeln mit Blei am Grund. Bei beiden Methoden wird ein Vorfach mit zwei Drillingen verwendet.

Die Grundmontage ist der Technik des Karpfenangelns sehr ähnlich. Schiebe als erstes ein Blei auf die Hauptschnur, dann folgt ein Stück Gummi, um den Knoten zu schützen. Ans Ende kommen ein Wirbel und ein Vorfach mit dem Köderfisch. Einfach, aber effektiv.

Das Schwimmersystem bietet uns Anglern im Gegensatz dazu zwei Möglichkeiten: Erstens: Du kannst den Schwimmer auswerfen und ein wenig driften lassen (der Köder lässt sich dabei in jeder Tiefe präsentieren) oder Du bietest Deinen Köderfisch am Boden an. Wer mit einem Schwimmer angelt, hat generell weniger Widerstand als mit einer Grundmontage. Zudem kannst Du bei Verwendung einer Pose dem Fisch beim Biss folgen, wodurch es einfacher ist, den richtigen Moment des Anschlags abzupassen.“

„Welche Methode an welchem Gewässer am besten funktioniert, ist immer schwer zu sagen“, erfahre ich danach. Hier empfiehlt es sich, etwas Zeit zu investieren, um sich die Frage nach einigen Versuchen selbst beantworten zu können.

Andre kommt nun zum eigentlichen Akt des Fischens und des Anschlags.

„Ein wichtiger Punkt beim Angeln auf Hecht ist, dass Du sicherstellst, dass die Fische beim Aufnehmen des Köderfisches möglichst wenig Widerstand bemerken. Deshalb fische bitte oft mit einem geöffneten Rollenbügel! Selbst wenn sich der Freilauf Deiner Rolle sehr leicht einstellen lässt, kann dies zu Fehlbissen führen und der Hecht lässt den Köderfisch los. Dieses wiederum ist sehr abhängig vom Angeldruck des Gewässers. Wenn Du vorhast, mit einem offenen Bügel zu angeln, empfiehlt es sich, an der Rolle einen Pendelbissanzeiger zu verwenden, der die Schnur so fixiert, dass sie nicht von der Spule springt (z. B. den Mr. Pike Drop Back Indicator). Wenn es zu einem Biss kommt, löst sich die Sehne aus dem Klipp und die Hechte können Schnur ohne Widerstand nehmen.“

 

Der Anschlag

„Der Moment des Anschlags ist Gefühlssache.“, höre ich gespannt dem Hechtflüsterer zu. „Du kannst jedoch davon ausgehen, dass der Hecht den Köderfisch zunächst (leicht) aufhebt und dann umdreht, damit er ihn schlucken kann. Dieser Moment ist deutlich zu bemerken, wenn der Hecht keine Schnur mehr von der Rolle nimmt. Sobald der Hecht wieder schwimmt, warte weitere zwei bis drei Sekunden bis zum Anschlag. Auf diese Weise wird ein Fehlbiss vermieden. Wer hingegen zu lange wartet, hat oft das Problem, dass der Hecht den Köder tief schluckt.“

Ganz wichtig ist auch die Fischpflege

Andre legt großen Wert auf diese Punkte: „Auch beim Hechtangeln dürfen wir die Fischpflege nicht vergessen. Daher ist es immer ratsam, einen feinmaschigen Kescher zu verwenden. Ein wichtiger Punkt dabei ist, dass Du Dich für ein gummibeschichtetes Netz entscheidest. Dadurch wird der Hecht nicht verletzt und die Haken lassen sich leichter aus dem Kescher lösen. Besonders wenn Du es mit hohen Spundwänden zu tun hast, kann eine Transporttasche (wie ein Quantum Predator Keeper) wirklich ein Patentrezept sein, wenn der Hecht wieder zurück ins Wasser soll.“ In meiner Heimat, den Niederlanden, ist Catch and Release übrigens Pflicht!

 

Das richtige Angelgerät ist wie ein Diamant

In dieser Session verwenden wir die Angelrute Mr. Pike Classic Master. Mit einer Länge von 3,60 Metern und einem Wurfgewicht von 200 Gramm ist diese Rute ein echtes Universaltalent. Eine Posenmontage mit großem Köderfisch oder auch eine Grundmontage auszuwerfen, ist für diese Rute eine Leichtigkeit. Sie wird kombiniert mit der Mr. Pike The Releaser. Wie der Name schon sagt, handelt es sich hierbei um eine Freilaufrolle, die sich in der Raubfischangelei bestens bewährt.

Ein unglaublich schöner Tag geht dem Ende zu und ich bin dem ABC des Hechtangelns deutlich näher gekommen. Zwischendurch haben wir übrigens auch geangelt … seht selbst! Andre, Dir ein dickes Dankeschön für diese tollen Erfahrungen, die ich an dieser Stelle nur zu gerne allen Hechtfans weitergeben möchte, damit auch sie zu XXL-Fängern werden.

 

Tight lines at all, Toby Beeloo und Andre Schmidt